Heizkörper in ungenutzten Räumen vollständig abzuschalten kann den Energieverbrauch tatsächlich erhöhen, warnen Energie-Experten

Den Heizkörper im ungenutzten Gästezimmer komplett abzudrehen, senkt die Heizkosten um bis zu 6 %, sagen viele. Was aber kaum jemand bedenkt: In vielen Häusern, vor allem in älteren, kann genau diese Aktion den gesamten Energieverbrauch unbemerkt in die Höhe treiben. Es ist eine dieser seltsamen Wahrheiten, bei denen eine gute Absicht ins genaue Gegenteil umschlägt. Aber wie kann das sein?

Der Trugschluss der kalten Zone: Warum „ganz aus“ oft teurer ist

Ein Haus ist kein Baukasten aus voneinander getrennten Boxen. Es ist eher ein einziges, großes System, eine Art Thermoskanne, in der Wärme immer versucht, sich auszugleichen. Wenn Sie einen Raum in eine regelrechte Kühlkammer verwandeln, bringen Sie dieses empfindliche Gleichgewicht durcheinander und fördern den versteckten Energieabfluss.

Anna M., 42, Grafikdesignerin aus Berlin, erzählt: „Ich dachte, ich wäre super schlau, als ich das Gästezimmer zur Eiszone machte. Die Jahresabrechnung hat mich eines Besseren belehrt – mein Gasverbrauch war sogar leicht gestiegen!“ Ihr Erlebnis ist kein Einzelfall und zeigt, wie der tatsächliche Energieverbrauch von unseren Annahmen abweichen kann.

Die beheizten Räume um diese kalte Zone herum geben kontinuierlich Wärme an diesen einen eiskalten Punkt ab. Ihre Heizung muss also härter arbeiten, um den Rest des Hauses auf Temperatur zu halten. Das fühlt sich widersprüchlich an, denn der Heizkörper dort ist ja aus. Wärme hat aber keinen Ausschalter.

Die unsichtbare Rechnung der Temperaturdifferenz

Stellen Sie sich vor, das Bad liegt neben dem eiskalten Schlafzimmer. Die Wärme aus dem Bad wird förmlich von den kalten Wänden des Nachbarraums aufgesaugt. Sie merken das daran, dass der Badezimmerspiegel häufiger beschlägt und der Fliesenboden kälter bleibt. Dieser ständige Wärmedieb zwingt Ihre Heizung zu kurzen, heftigen und oft ineffizienten Arbeitszyklen. Ein echter Energiefresser.

Energieberater sehen das in den Daten immer wieder. Je größer der Temperaturunterschied zwischen dem wärmsten und dem kältesten Raum, desto stärker versucht die Physik, diesen auszugleichen. Dieser Kampf gegen die Naturgesetze treibt Ihre Heizkosten in die Höhe, ohne dass Sie es direkt merken. Besonders bei unverputzten Außenwänden oder über kalten Garagen wird dieser Effekt zum stillen Kostentreiber.

Smarter Heizen: Die Kunst der Pufferzone

Was ist also die Lösung? Ganz einfach. Naja, nicht immer ganz einfach. Es geht darum, Extreme zu vermeiden. Anstatt ungenutzte Räume auskühlen zu lassen, sollten Sie sie auf einer niedrigen, stabilen Temperatur halten. Denken Sie an 15 bis 17 Grad. Der Heizkörper ist dann nicht aus, sondern nur auf einer bescheidenen Stufe.

So schaffen Sie eine Art Pufferzone. Der geringere Temperaturunterschied bremst den Wärmeentzug aus den Wohnräumen erheblich. Ihre Heizung muss seltener anspringen und läuft stattdessen länger auf einem niedrigeren, effizienteren Niveau. Das senkt den Energieverbrauch am Ende oft mehr.

Und wenn Sie den Raum doch mal brauchen, ist der Sprung von 16 auf 20 Grad viel kleiner und schneller bewältigt als von 11 auf 20. Das spart eine gewaltige Leistungsspitze und schont den Geldbeutel.

Die Falle des ständigen An- und Ausschaltens

Viele Menschen machen es sich unnötig schwer. Sie drehen täglich an den Thermostaten herum, von 0 auf 5 und wieder zurück. Das erzeugt eine unruhige Wärmedynamik im Haus. Und seien wir ehrlich: Wer macht das wirklich konsequent jeden Tag? Man vergisst es, lässt eine Tür offen… das System kommt nie zur Ruhe. Der Hunger der Heizung wird dadurch unberechenbar.

Ich habe das selbst mal probiert, und nach drei Tagen hatte ich es satt und die Türen standen eh immer offen. Mein Plan scheiterte also kläglich. Viel klüger ist eine feste Grundeinstellung, die den Energieverbrauch stabilisiert, und die man nur bei Bedarf anpasst. Vielleicht liegt es manchmal auch nur daran, dass ein Heizkörper, der schlecht warm wird, die ganze Dynamik stört.

Ein flämischer Energieberater, der seit Jahren alte Reihenhäuser analysiert, sagt: „Die Leute denken zu oft in Schwarz-Weiß: Heizung an oder aus. In der Realität gewinnt fast immer die goldene Mitte: überall ein bisschen Wärme, nirgends extreme Kälte.“ Das schützt vor Schimmel, senkt den realen Energiebedarf und erhöht den Komfort.

Konkrete Strategien statt radikaler Kälte

Der größte Gewinn für Ihre Stromrechnung liegt selten im Abdrehen eines einzelnen Heizkörpers, sondern im Gesamtbild. Beginnen Sie beim zentralen Thermostat: Ein Grad weniger in den Wohnräumen spart bereits rund 6-7 % Gas. Von 21 auf 20 Grad. Das spüren Sie.

Kombinieren Sie das mit Zonen: Wohnräume etwas wärmer, Schlafräume kühler, aber eben nicht eiskalt. So nutzen Sie die Wärmeverteilung, anstatt gegen sie zu kämpfen. Dieser Ansatz ist entscheidend, um den Energieverbrauch zu optimieren. Aber wo fängt man an? Manchmal ist es hilfreich zu verstehen, warum manche Häuser trotz Heizung kalt bleiben.

Aspekt Strategie: Komplett abschalten Strategie: Pufferzone (15-17°C)
Energieverbrauch Kann durch Wärmeabzug aus anderen Räumen paradoxerweise steigen. Stabilisiert den Gesamtverbrauch und ist oft sparsamer.
Schimmelrisiko Hoch, da kalte Wände Feuchtigkeit anziehen. Deutlich geringer, da Oberflächen wärmer bleiben.
Wohnkomfort Gering; kalte Wände und Zugluftgefühl. Höher; gleichmäßigeres und angenehmeres Raumklima.
Effizienz der Heizung Niedrig; häufige, kurze und ineffiziente Starts. Hoch; längere Laufzeiten auf niedrigem, effizientem Niveau.

Das Verhalten Ihrer Heizung verstehen

Moderne Heizkessel arbeiten viel effizienter, wenn sie lange auf moderater Leistung laufen, anstatt ständig auf voller Kraft anzuspringen. Das allein ist schon ein starkes Argument gegen den ständigen Kalt-Warm-Wechsel, der den Gasverbrauch unnötig belastet.

Am Ende geht es nicht um ein perfektes Schema, sondern darum, was an einem dunklen Mittwochabend im Januar funktioniert, wenn Sie nach Hause kommen. Es geht um ein Gefühl von „hier ist es gut“. Warm genug. Und schlau genug. Menschlich eben, ohne sich selbst zu kasteien. Der geringere Energieverbrauch ist dann ein schöner Nebeneffekt.

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