In 145 metern tiefe haben zwei französische taucher seltene aufnahmen einer symbolträchtigen meeresart in einer der unerforschtesten regionen der welt gemacht. Diese ebenso präzise wie gefährliche wissenschaftliche mission ermöglichte die beobachtung des quastenflossers in seinem natürlichen lebensraum, was unser verständnis dieses tieres völlig auf den kopf stellt. Entgegen allen erwartungen versteckte sich das tier nicht, sondern schwamm frei umher. Was verrät dieses verhalten über eines der größten rätsel der evolution?
Eine begegnung mit der vorgeschichte in den tiefen indonesiens
In den dunklen tiefen des molukken-archipels ist ein fisch wieder aufgetaucht, von dem man dachte, er sei für immer in den archiven der evolution verschwunden. Der quastenflosser, lange als ausgestorben geltend, entwickelt sich immer noch unauffällig in den unterwassergräben indonesiens. Dieses prähistorische geschöpf, das in mehr als 140 metern tiefe lebend beobachtet wurde, verkörpert eine form des stillen widerstands gegen die zeit.
Alexis Chappuis, 42, unterwasserforscher aus Marseille, beschreibt diesen moment mit bewegung: «Einen quastenflosser zu sehen, war, als würde man einem geist begegnen. Diese kreatur, dieses echo aus der kreidezeit, schwamm ruhig vor uns, völlig unbeeindruckt. Es war der lohn für jahrelange, zermürbende arbeit.» Diese begegnung war das ergebnis einer akribischen vorbereitung, die die grenzen der menschlichen erforschung erweiterte.
Die jahrelange suche nach dem meeres-methusalem
Dieses außergewöhnliche aufeinandertreffen war kein zufall. Zwei jahre lang studierte Alexis Chappuis die unterwasserkartografie des archipels auf der suche nach kalten und zerklüfteten zonen, die diese art beherbergen könnten. Mehr als fünfzig tauchgänge waren nötig, um diesen genauen ort zu lokalisieren, der nun zum schutz des tieres geheim gehalten wird.
Im oktober 2024 tauchten die beiden franzosen, ausgestattet mit technischen anzügen und geschlossenen tauchkreisläufen, vor den molukken ab. Plötzlich zeichnete sich die lang ersehnte silhouette ab: ein fisch mit dickem, nachtblauem körper, übersät mit weißen flecken. Dieses wissenschaftliche abenteuer wurde ausführlich in der zeitschrift Scientific Reports beschrieben und als erste in-situ-beobachtung eines lebenden quastenflossers in der provinz maluku gefeiert.
Was der quastenflosser über unsere eigene evolution verrät
Der quastenflosser, der lange als seit millionen von jahren verschwunden galt, tauchte 1938 überraschend vor der küste südafrikas wieder auf. Seitdem wurden zwei arten identifiziert: Latimeria chalumnae im westlichen indischen ozean und Latimeria menadoensis, die hier gefilmte indonesische art. Obwohl er oft als «lebendes fossil» bezeichnet wird, wird dieser begriff seiner langsamen, aber realen evolution nicht gerecht.
Anatomische merkmale aus einer anderen zeit
Dieser urzeitfisch fasziniert wissenschaftler wegen seiner einzigartigen anatomischen merkmale. Er besitzt fleischige, gelenkige flossen, die an gliedmaßen erinnern, ein überbleibsel einer inneren lunge und einen schädel mit zwei beweglichen teilen. All diese merkmale machen ihn zu einem wertvollen modell, um den übergang von fischen zu den ersten landwirbeltieren zu verstehen.
Das in indonesien beobachtete exemplar maß etwa 1,10 meter. Seine erscheinung ist ein direktes fenster in die vergangenheit unseres planeten und hilft uns zu verstehen, wie das leben an land gegangen sein könnte. Diese lebende legende ist somit ein entscheidendes puzzleteil im großen bild der evolution.
Ein überraschend flexibles verhalten
Entgegen der landläufigen meinung versteckte sich der tiefseebewohner nicht in einer höhle. Er bewegte sich offen und schwamm langsam um einen felsvorsprung herum. Diese haltung, mit ausgebreiteten flossen und ohne fluchtverhalten, deutet auf ein flexibleres verhalten hin als bisher bei dieser lange als sesshaft geltenden spezies angenommen. Dieser zeitreisende der meere ist also möglicherweise aktiver als gedacht.
Ein fragiles erbe: der schutz des urzeitfisches ist entscheidend
Quastenflosser leben in tiefen zonen zwischen 100 und 400 metern, wo die extremen bedingungen die meisten menschlichen erkundungen abschrecken. Diese natürliche diskretion schützt sie jedoch nicht vor bedrohungen. Plastikverschmutzung, steigende temperaturen, unterwasserlärm und extremer tourismus gefährden ihr überleben.
Die internationale union für die erhaltung der natur (iucn) stuft die indonesische art als gefährdet ein. Ihr sehr langsamer lebensrhythmus verstärkt ihre verletzlichkeit. Jeder verlust eines individuums ist ein unersetzlicher schlag für diese prähistorische kreatur, deren existenz am seidenen faden hängt.
Die extreme verletzlichkeit einer langsam lebenden art
Dieser meeresbewohner erreicht die geschlechtsreife erst mit etwa 55 jahren. Die tragzeit dauert ungefähr fünf jahre, was die erneuerung der population stark verlangsamt. Seine lebenserwartung kann dagegen über hundert jahre betragen, was jedes einzelne tier noch wertvoller macht.
Die entdeckung dieses exemplars in den molukken beweist noch nicht die existenz einer etablierten population, legt sie aber stark nahe. Zwischen sulawesi und west-papua gibt es noch viele unentdeckte tiefseegebiete, die weitere individuen dieses biologischen rätsels beherbergen könnten.
| Merkmal | Beschreibung |
|---|---|
| Wissenschaftlicher Name | Latimeria menadoensis (Indonesische Art) |
| Lebensraum | Tiefe Meereszonen (100-400 m) |
| Geschlechtsreife | Etwa 55 Jahre |
| Tragzeit | Ungefähr 5 Jahre |
| Lebenserwartung | Über 100 Jahre |
| Status | Gefährdet (IUCN) |
Die zukunft der forschung und der schutz des meeresgeheimnisses
Die beobachtung bestätigt, dass es in dieser region geeignete lebensräume gibt, und es ist unerlässlich, diese zonen vor jeglicher störung zu schützen. Der schutz dieses relikts aus der kreidezeit ist nicht nur eine frage der artenvielfalt, sondern auch des respekts vor der tiefen geschichte des lebens auf der erde. Der stille zeuge der evolution braucht unsere hilfe.
Das forscherteam hofft nun, nicht-invasive studien durchführen zu können, um genetische daten direkt im natürlichen umfeld zu sammeln. Dieser ansatz, ohne probenahme oder fang, würde es ermöglichen, die verbreitung, vielfalt und bewegungen der indonesischen quastenflosser besser zu verstehen.
Solche informationen sind entscheidend, um gezielte schutzmaßnahmen für einen der rätselhaftesten fische unseres planeten vorzuschlagen. Die zukunft dieses dinosaurierfisches hängt von unserer fähigkeit ab, die tiefen der ozeane zu verstehen und zu bewahren, bevor es zu spät ist.
Die historische begegnung mit diesem tier ist eine starke erinnerung daran, dass die ozeane noch unzählige geheimnisse bergen. Der schutz dieser unerforschten umgebungen ist entscheidend, um das überleben von arten wie dem quastenflosser zu sichern und die wunder der evolution für zukünftige generationen zu bewahren.
Warum wird der quastenflosser als «lebendes fossil» bezeichnet?
Der begriff «lebendes fossil» wird verwendet, weil der quastenflosser arten ähnelt, die aus fossilien bekannt sind, die hunderte von millionen jahren alt sind. Obwohl er sich weiterentwickelt hat, hat er viele primitive merkmale beibehalten, die bei den meisten heute lebenden fischen nicht mehr zu finden sind, was ihn zu einem lebenden fenster in die ferne vergangenheit macht.
Wie unterscheidet sich die indonesische art von der afrikanischen?
Die indonesische art, Latimeria menadoensis, wurde erst 1997 entdeckt. Sie unterscheidet sich von der afrikanischen art, Latimeria chalumnae, hauptsächlich durch ihre farbe (braun-grau statt bläulich) und genetische marker. Genetische analysen deuten darauf hin, dass sich die beiden populationen vor millionen von jahren getrennt haben.
Welche technologie ermöglichte diese tiefseetauchgänge?
Solche tiefen von über 140 metern wurden durch den einsatz von «closed-circuit rebreathers» (ccr) erreicht. Im gegensatz zur herkömmlichen tauchausrüstung, bei der ausgeatmete luft ins wasser abgegeben wird, recycelt ein rebreather das atemgas. Er entfernt das kohlendioxid und fügt sauerstoff hinzu, was extrem lange und tiefe tauchgänge ermöglicht, die für die beobachtung von tiefseebewohnern wie dem quastenflosser unerlässlich sind.








