Bereits fünf zusätzliche minuten bewegung pro tag können das risiko eines frühzeitigen todes spürbar senken, und das ganz ohne intensives training. Überraschenderweise profitieren gerade die menschen am meisten, die bisher am wenigsten aktiv waren. Doch wie kann eine so geringfügige änderung eine derart große auswirkung auf die lebenserwartung haben? Die antwort liegt in der macht kleiner, aber konsequenter gewohnheiten, die den kreislauf eines sitzenden alltags durchbrechen.
Die überraschende kraft kleiner gewohnheiten für eine längere lebensdauer
Vom sitzen am frühstückstisch über den bürostuhl bis zur couch am abend – der moderne alltag ist oft von bewegungsmangel geprägt. Viele glauben, sie müssten stunden im fitnessstudio verbringen, um ihre gesundheit und damit ihre persönliche lebensspanne positiv zu beeinflussen. Doch eine neue übersichtsstudie, die im renommierten fachjournal lancet veröffentlicht wurde, zeichnet ein anderes bild.
Anna Schmidt, 48, lehrerin aus hamburg, bringt es auf den punkt: „ich dachte immer, ich müsste marathon laufen, um meine gesundheit zu verbessern. Zu erkennen, dass der spaziergang zum bäcker schon einen unterschied für meine zukünftigen lebensjahre macht, war eine offenbarung.“ Diese erkenntnis verändert die perspektive auf die tägliche routine und die aussicht auf lebensjahre fundamental.
Die studie, die daten von über 130.000 personen auswertete, zeigt, dass bereits minimale änderungen im alltag einen messbaren einfluss auf die sterblichkeit haben. Schon wenige minuten moderate aktivität – wie zügiges gehen oder fahrradfahren – reichen aus, um die lebensuhr positiv zu beeinflussen.
Fünf minuten, die den horizont des lebens erweitern
Die ergebnisse sind erstaunlich konkret. Fünf minuten zusätzliche bewegung pro tag senkten die sterblichkeit in der allgemeinen bevölkerungsgruppe um beeindruckende zehn prozent. Diese kleine investition in die eigene gesundheit kann die länge des lebensfadens direkt verlängern.
Besonders bemerkenswert ist der effekt bei der hochrisikogruppe, also dem fünftel der teilnehmer, das sich am wenigsten bewegte. Hier führte eine steigerung von nur einer auf sechs minuten bewegung pro tag zu einer verringerung der todesfälle um ganze 30 prozent. Das beweist, dass jeder schritt zählt, um die lebenserwartung zu steigern.
Mehr ist mehr: wie 10 minuten ihre persönliche lebensspanne verändern
Die analyse legt nahe, dass das prinzip „viel hilft viel“ hier durchaus gilt. Wer sein tägliches bewegungspensum auf zehn minuten verdoppelt, profitiert noch stärker. In diesem fall reduzierte sich die mortalität in der bevölkerungsgruppe um fast 15 prozent, bei der hochrisikogruppe um knapp neun prozent.
Natürlich sind zehn minuten nicht das endgültige ziel. Die weltgesundheitsorganisation (who) empfiehlt zwischen 150 und 300 minuten moderate aktivität pro woche. Diese kleinen, täglichen einheiten sind jedoch der perfekte einstieg, um die lebenserwartung schritt für schritt zu verbessern und die weichen für ein langes, gesundes altern zu stellen.
Weniger sitzen, die lebensuhr anders ticken lassen
Die steigerung der aktivität ist jedoch nur eine seite der medaille. Die andere ist die reduzierung der zeit, die wir im sitzen verbringen. Ein bericht der deutschen krankenversicherung (dkv) aus dem jahr 2025 zeigte, dass der durchschnittliche deutsche an einem arbeitstag mehr als zehn stunden sitzt – länger, als die meisten menschen schlafen.
Auch hier liefert die studie klare zahlen: eine halbe stunde weniger sitzen pro tag verhinderte bei der hochrisikogruppe drei prozent der todesfälle, bei der breiteren bevölkerungsgruppe sogar 7,3 prozent. Diese anpassung der täglichen routine beeinflusst die dauer der lebensreise direkt und verlängert die uns zugemessene zeit.
Es gibt jedoch eine wichtige einschränkung. Der positive effekt des reduzierten sitzens war vor allem bei menschen nachweisbar, die täglich mehr als acht stunden auf stühlen oder sofas verbringen. Für „viel-sitzer“ ist dies also eine besonders wirksame strategie, um die lebenserwartung zu erhöhen.
| Tägliche Änderung | Reduzierung der Sterblichkeit (Risikogruppe) | Reduzierung der Sterblichkeit (Bevölkerungsgruppe) |
|---|---|---|
| + 5 Minuten Bewegung | 6 % | 10 % |
| + 10 Minuten Bewegung | 9 % | 15 % |
| – 30 Minuten Sitzen | 3 % (bei >8h Sitzen) | 7,3 % (bei >8h Sitzen) |
Jede minute zählt für ihre zukünftigen lebensjahre
Die wohl wichtigste botschaft der forschung ist: jede minute in bewegung statt im sitzen zählt für die langlebigkeit. Anstatt sich unrealistische ziele zu setzen und an einem aufwendigen sportprogramm zu scheitern, ist es sinnvoller, kleine, aber nachhaltige änderungen im alltag zu etablieren.
Angesichts der tatsache, dass sich laut who schätzungsweise ein drittel der weltbevölkerung zu wenig bewegt, ist dies eine ermutigende nachricht. Es geht darum, nicht nur die lebensdauer zu verlängern, sondern auch die qualität der gewonnenen jahre zu sichern und den alterungsprozess positiv zu gestalten.
Wie integriert man diese extra minuten in den alltag?
Der schlüssel liegt darin, bewegung nahtlos in den tagesablauf einzubauen. Parken sie das auto bewusst etwas weiter weg, nehmen sie die treppe statt des aufzugs oder nutzen sie die mittagspause für einen kurzen spaziergang um den block. Diese kleinen entscheidungen summieren sich und wirken sich positiv auf die lebenserwartung aus.
Es erfordert einen mentalen wandel: weg vom gedanken des „trainings“ hin zum einfachen „sich bewegen“. Diese neuausrichtung macht die umsetzung leichter und sorgt dafür, dass die neuen gewohnheiten langfristig beibehalten werden, was für eine verbesserte lebenserwartung unerlässlich ist.
Das geheimnis eines längeren lebens liegt also nicht zwangsläufig in anstrengenden trainingseinheiten, sondern in der konsequenten integration kleiner bewegungsimpulse in unseren alltag. Der bogen des lebens lässt sich durch achtsamkeit und kleine, bewusste entscheidungen spannen.
Die wichtigsten erkenntnisse sind einfach und wirkungsvoll: jede noch so kleine bewegung ist ein gewinn für die gesundheit und ihre lebenszeit. Und wer bei null anfängt, erzielt die größten und schnellsten erfolge für seine zukünftige lebenserwartung.
Welche fünf minuten werden sie also heute für ihren persönlichen lebensfaden zurückgewinnen?
Was genau zählt als „moderate bewegung“?
Moderate bewegung umfasst aktivitäten, bei denen sich ihre atemfrequenz erhöht, sie sich aber noch unterhalten können. Beispiele sind zügiges gehen, fahrradfahren auf ebener strecke, tanzen oder gartenarbeit.
Gelten diese ergebnisse auch für menschen unter 40 jahren?
Die studie konzentrierte sich auf teilnehmer über 40 jahre, da das sterberisiko in dieser altersgruppe statistisch relevanter ist. Dennoch sind die gesundheitlichen vorteile von bewegung universell und gelten prinzipiell für alle altersgruppen, auch wenn die prozentualen auswirkungen auf die mortalität anders ausfallen können.
Ist es egal, wann ich diese fünf minuten am tag bewege?
Ja, für den gesundheitlichen effekt ist es unerheblich, ob sie die fünf minuten am morgen, in der mittagspause oder am abend absolvieren. Wichtig ist die regelmäßigkeit. Finden sie einen zeitpunkt, der am besten in ihre tägliche routine passt, um die gewohnheit dauerhaft beizubehalten.
Ist stehend am schreibtisch zu arbeiten eine gute alternative zum sitzen?
Ja, im stehen zu arbeiten statt zu sitzen, erhöht den energieverbrauch und aktiviert die muskulatur. Es ist eine effektive methode, um die tägliche sitzzeit zu reduzieren und somit die negativen gesundheitlichen folgen von langem sitzen zu mildern, was sich positiv auf die lebenserwartung auswirken kann.








